Fast verschwundene Fabelwesen. Eine fantastische Reise durch Europa

Wir schreiben das Jahr 1862. Die einst schier unendlichen Weiten imposanter Bergwelten, geheimnisvoller Waldlandschaften und saftiger Wiesen fallen mehr und mehr den steigenden Bedürfnissen der Menschen zum Opfer. Naturräume schwinden. Magische Tierwesen werden immer seltener gesichtet. Nur wenige Menschen besitzen die Fähigkeiten, ihre Spuren zu lesen. Diese trommelt Konstantin O. Boldt zusammen, und gemeinsam begeben sie sich auf eine abenteuerreiche und sagenhafte Expedition durch das Europa des 19. Jahrhunderts. Ihr Ziel ist es, das rätselhafte Verschwinden der Fabeltiere zu erforschen, und du kannst direkt dabei sein. Denn es handelt sich nicht etwa um einen staubtrockenen Roman, sondern um ein abwechslungsreich illustriertes, fiktives Reisetagebuch. Es lässt dich an der persönlichen Gedankenwelt des Expeditionsleiters genauso teilhaben wie an liebevoll beschriebenen Reiserouten, beeindruckenden Landschaften, spannenden Kriminalfällen, historischen Ereignissen, gefährlichen Begegnungen und gar magischen Erlebnissen.

Was das Buch Fast verschwundene Fabelwesen. Die sagenhafte Expedition des Konstantin O. Boldt so außergewöhnlich macht oder auch meine Begeisterung in fünf Punkten:

– Es handelt sich nicht um reine Fiktion: Die liebevollen Beschreibungen der Fabelwesen fußen auf europäischen Märchen und Sagen sowie naturkundlichen Werken von der Antike bis zum Mittelalter – wir haben hier ganz klar ein neues Genre: Wissenschafts-Fantasy!

– Historische Ereignisse und Personen werden vom Autor gekonnt in eine fiktive Geschichte verwoben, ganz zur Überraschung von Geschichtskennern und kulturwissenschaftlich Interessierten. Denn selbst die müssen sich hier und da fragen: Gab es diese Person? Stand das wirklich so in naturkundlichen Werken? Davon berichten tatsächlich unsere Sagen?

– Der Erzählstil des Autors Florian Schäfer ist unterhaltsam, fesselnd und abwechslungsreich, nicht zuletzt, da neben dem Tagebuchtext auch immer wieder abgesetzte Beschreibungen, Steckbriefe, handschriftliche Notizen, Kartenausschnitte, Brief-Faksimiles oder Zeitungsartikel das Geschehen vielfältig beleuchten und ergänzen.

– Alte Aufzeichnungen, Feldnotizen und Artikelsammlungen und die Wesen selbst sind durch Elif Siebenpfeiffer fabelhaft illustriert, und generell fällt die durchweg hochwertige und leidenschaftliche Gestaltung des Buches ins Auge, die keine einzige Seite bilderlos vereinsamt zurücklässt: vom edlen Einband mit goldener Folienprägung über unzählige Skizzen bis zu farbenreichen Vollbildillustrationen.

– Es trifft den Geist der Zeit und regt zum Nachdenken an. Als Biologe hat der Autor hier wunderbar ein Plädoyer für die Erhaltung unserer Artenvielfalt mit eingebaut. Er nutzt das Motiv schwindender Fabelwesen als wirkungsvolle Metapher für den Schwund unserer realen Biodiversität und behandelt so scheinbar ganz nebenbei die gegenwärtigen Herausforderungen von Natur- und Artenschutz sowie die Verantwortung des Menschen gegenüber seiner Umwelt im Kontext einer phantastischen Erzählung.

Es handelt sich um eine hingebungsvolle Sammlung unerwarteter Begegnungen mit zahlreichen bekannten und weniger bekannten Fabelwesen zwischen nostalgischem Schwelgen und hochaktuellen Diskursen in brillantem Vintage-Design. Gleichwohl finden wir eine berührende, anregende und erfrischende Erzählung vor, die neben vielen emotionalen, nachdenklichen Momenten auch an der einen oder anderen Stelle zum Gruseln und Mitfiebern einlädt. Buchliebhaber, Fans und Genießer von Fantasy, Literatur, (Kultur-)Geschichte, Kunst, Natur und Mythologie werden rundum auf ihre Kosten kommen und jede Menge „easter eggs“ entdecken. Es handelt sich nicht direkt um ein Kinder- und Jugendbuch, sondern bietet Lesevergnügen und Augenschmaus für Jung und Alt gleichermaßen.

Also fühl dich eingeladen. Brich auf zu einer atemberaubenden Reise durch ein magisches Europa voller zauberhafter Geschöpfe – Einhörner, Drachen, Basilisken, Herkynische Vögel, Wolpertinger und weitere Wesen erwarten dich auf dieser sagenhaften Expedition.